Abstract
Der Artikel bietet einen Überblick über die Entwicklung der Wirtschaft der Russischen Föderation seit 1992. Die erste Phase der Transformation war von einer tiefgreifenden Krise gekennzeichnet, welche ein starkes Absinken der Produktion, Hyperinflation und stark fallende Realeinkommen mit sich brachte. Gleichzeitig wurden rasche, ja überstürzte Umwälzungen in Richtung Marktwirtschaft eingeleitet, welche der Bevölkerung hohe soziale Kosten auferlegten. Bereits Mitte der neunziger Jahre blieben von der Planwirtschaft kaum Scherben. Damit wurden die Reformen irreversibel. Die durch die Regierungsbeschlüsse vom 17.8.1998 ausgelöste Finanzkrise leitete die zweite Phase der Transformation ein, die gegenwärtig noch andauert - eine Phase der Konsolidierung und der schrittweisen Fortführung marktwirtschaftlicher Reformen. Die starke Rubelabwertung im Gefolge der Finanzkrise eröffnete den russischen Unternehmungen erstmals seit dem Zerfall der Sowjetunion die Gelegenheit, ihre Produktion wesentlich zu steigern. In den Jahren 1999 und 2000 verzeichneten das BIP (3,5 bzw. 7,7%) und die Industrieproduktion (8,1 bzw. 9,0%) beachtliche Wachstumsraten. Die Bruttoanlageinvestitionen nahmen, nach vielen Jahren des Niedergangs, sowohl 1999 als auch 2000 erheblich zu. Der Anstieg der Preise von Rohöl und Erdgas schlug sich in einem sehr hohen Exportüberschuß nieder, so daß ein Leistungsbilanzüberschuß von 19% des BIP resultierte. Die Reallöhne erhöhten sich im Jahre 2000 um über 22%, allerdings nach einem ähnlich deutlichen Rückgang im Jahr zuvor. Die Arbeitslosigkeit, bezogen auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, verringerte sich von 10,5 auf 8,7%. Neben der makroökonomischen Entwicklung befaßt sich der Übersichtsartikel mit der Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse, der Budget- und der Geldpolitik, dem sozialen Wandel im Zuge der Transformation, wichtigen demographischen Tendenzen und außenwirtschaftlichen Aspekten.

