Abstract
Der vorliegende Artikel greift Commons-Debatten auf und erweitert diese durch das mesoamerikanische Konzept der Comunalidad (dt. etwa Gemeinschaftlichkeit), formuliert um 1980 in Oaxaca und übertragbar auf Nahua-Kontexte der Sierra Nororiental de Puebla. Basierend auf drei Monaten ethnografischer Feldforschung zur kommunalen Wasserversorgung diskutiert er Hardin, Ostrom, marxistische Ansätze und Commoning mit Comunalidad. Diese ist ontologisch verwurzelt im territorio (dt. etwa Lebensraum) und den wechselseitigen Beziehungen des cuerpo territorio (dt. etwa Körper-Lebensraum), gestützt auf verpflichtender gemeinschaftlicher Arbeit und Versammlungen als zentralem Entscheidungsorgan. Empirisch zeigt sich eine widerstandsfähige Form des Gemeinsamen, die ihre Selbstversorgung auch angesichts Knappheit und interner Konfliktlinien sicherstellen kann, jedoch von Geschlechterungleichheiten geprägt bleibt. Im Gegensatz zu Commoning-Ansätzen reproduziert Comunalidad Gemeinschaft durch starke, die Reziprozität einfordernde Normen, ontologische Bindung und Anpassungsfähigkeit – diese tragen auch zur Resilienz gegen Extraktivismus und Klimakrise bei.

