Abstract
In der Arbeit wird im Rahmen einer teilnehmenden Beobachtung der Verlauf von 20 Beratungsgesprächen bei einer Regionalen Geschäftsstelle des österreichischen Arbeitsmarktservice dokumentiert und analysiert. Derart werden etwas mehr als 1,5 Stunden an sozialer Praxis anhand von vier Thesen und mit dem Fokus auf die zentralen Verhandlungsgegenstände „Geld, Kurs, Job, Termin“ „dekodiert“, d. h. es werden die Interaktionsmuster in ihre Bestandteile zerlegt und in den größeren Zusammenhang des gesellschaftlichen Umganges mit hoher Arbeitslosigkeit gestellt, Stichwort: „Individualisierung von Arbeitslosigkeit“. Folgende Ergebnisse sind bemerkenswert: (1) Es besteht ein strukturelles Machtgefälle zwischen Arbeitslosen und Beratern, das v. a. in Form von eklatanten Informationsasymmetrien in Erscheinung tritt, und es finden sich in diesem Zusammenhang wenige bis keine Anzeichen und Versuche, dieses Gefälle auch nur annähernd auszugleichen. (2) Wer über mehr Sozialkompetenz bzw. soziale Intelligenz verfügt, kommt leichter mit dem bürokratischen System zu Rande. (3) Dennoch gilt: Arbeitslosigkeit verunsichert fundamental, dies trifft auf alle soziale Schichten zu. (4) Das bisher Gesagte gilt in besonderem Maße für langzeitarbeitslose Personen, für diese kann die Situation häufig als dramatisch beschrieben werden. (5) Die Beobachtungen haben darüber hinaus gezeigt, dass deutlich unterschieden werden kann zwischen einem expliziten und einem impliziten Dialog – was an der Oberfläche sichtbar wird, ist nur Ausdruck eines „Spieles“ in dem Sinn: Wir alle spielen da mal mit, aber auf eine grundlegenderen Ebene geht es um einen recht fundamentalen Verhandlungsprozess, mit dem nichts weniger als Geld, Status, Anerkennung, Zukunftsperspektiven etc. abgehandelt werden.

