Abstract
Das hier vorgestellte Konzept widerspricht einigen gängigen Vorstellungen der Österreichischen Industriepolitik. Bekannte Wirtschaftsfachleute und Politiker aller politischen Richtungen fordern immer wieder die Schaffung von " Flaggschiffen" der Österreichischen Industrie, die Forschung und Entwicklung tragen, die Dynamik der Österreichischen Wirtschaft sichern, als " Systemführer" agieren, Klein- und Mittelunternehmungen als Subkontraktoren beschäftigen und weltweit erfolgreich tätig sind; sie fordern Österreichische Multis, die international mitspielen können. Es wäre überaus erfreulich, wenn solche Österreichischen Multis entstehen, und zwar dadurch entstehen, daß bestehende gute Unternehmungen zusätzliche Kompetenz erlangen, daß sie herausragende Spezialitäten entwickeln, die anderswo erzeugten überlegen sind, und mit ihrem selbsterworbenen technischen und organisatorischen Knowhow weltweit erfolgreich sind und hohe Erträge erwirtschaften. Es wäre überaus erfreulich, wenn auf diese Weise Unternehmen entstehen, die groß sind, weil sie erfolgreich sind. Was kaum möglich ist, ist der umgekehrte Weg, der billige Abkürzer: " Erfolg durch Größe " statt " Größe durch Erfolg ": Flaggschiffe dadurch zu kreieren, daß durch Fusion oder Subvention, durch Bankenmacht oder Staatsmacht große Einheiten geschaffen werden, in der Hoffnung, diese würden allein dadurch erfolgreich sein. Das mag in Ausnahmsfällen funktionieren, in der Regel ist es der teuerste Weg zur Stagnation und Insolvenz (siehe dazu Tichy 1990). Statt Flaggschiffe künstlich aus Unternehmen zu kreieren, die es zuvor aus eigener Kraft nicht geschafft haben, international konkurrenzfähige Produkte oder besonderes organisatorisches Know-how zu schaffen und dadurch international bedeutsam zu werden, müssen wir den Weg gehen, den die moderne Wachstumstheorie und die moderne Betriebswirtschaft, den Lucas, Romer und Porter als den erfolgversprechenden ansehen: "Wirtschaftskomplexe" aus zahlreichen Unternehmen verwandter Branchen, Zulieferern und nachgelagerten (Dienstleistungs-)Zweigen zu schaffen, die Anhäufung spezialisierter Anlagen und Kenntnisse zu fördern und damit die Voraussetzungen zu schaffen, daß eine Gruppe gemeinsam mit ihrer Technologie, mit ihren Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen international bekannt und wettbewerbsfähig wird. Wenn aus dieser Gruppe Flaggschiffe entstehen - desto besser. Wenn daraus keine Flaggschiffe entstehen, sondern bloß hundert, der Presse unbekannte, aber international erfolgreiche Unternehmungen, so ist diese Situation derjenigen vorzuziehen, in der ein einziges, isoliertes und dadurch anfälliges Flaggschiff bei jedem Schlingern - ob zufällig, verschuldet oder unverschuldet - die gesamte Volkwirtschaft zum Erzittern bringt.

