Abstract
Geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede sind heute wieder auf dem Niveau von 1980. Während im Zeitraum 1980 bis 1992/93 eine leichte Reduktion geschlechtsspezifischer Einkommensunterschiede beobachtet werden kann, steigen die Ungleichheiten seit Mitte der 1990er-Jahre. Laut dem jüngsten Einkommensbericht des Rechnungshofs (2008) lag das mittlere Bruttojahreseinkommen von Frauen im Jahr 2007 bei 59,3% des vergleichbaren Männereinkommens. Frauen im unteren Einkommensbereich mussten in den letzten 15 Jahren die stärksten Einkommensverluste hinnehmen. Wenn auch die Höhe der Einkommensunterschiede keinen Unterschied zu 1980 aufweist, haben sich die Ursachen der Einkommensdifferenzen bedeutend verändert. Bildungs- und Qualifikationsunterschiede erklären heute einen zunehmend geringeren Teil der Lohnschere, Arbeitszeit hingegen wird zu einer immer wichtigeren Determinante. Arbeitszeitbereinigt verdienen Frauen circa 75-78% der Männereinkommen, fast 50% der Einkommensunterschiede können somit bereits durch die geringere durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Frauen erklärt werden. Im europäischen Vergleich liegt Österreich 2007 an vorletzter Stelle von 28 Ländern, nur in Estland ist die Einkommensdifferenz der Frauen zu den Männern größer. Dieser Beitrag bietet einen Überblick zur wichtigsten spezifischen Literatur und untersucht mittels eigenen Auswertungen, beruhend auf den EU-SILC-2005- Daten, die Ursachen der anhaltend großen Lohnschere in Österreich sowie das schlechte Abschneiden Österreichs im europäischen Vergleich. Fokussiert wird dabei insbesondere auf die zunehmend ungleich verteilte Arbeitszeit zwischen den Geschlechtern. Die eigene empirische Auswertung bestätigt, dass Arbeitszeit in allen Einkommensgruppen, insbesondere jedoch im unteren Einkommensbereich, einen großen Teil der Einkommensunterschiede erklärt.

