Arbeitszeitverkürzung in Betrieben - Modelle und Praxis

Betriebe als Treiber kürzerer Arbeitszeiten?

Autor/innen

  • Franz Astleithner Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt
  • Bettina Stadler Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt

Schlagworte:

Arbeitszeitverkürzung, Betriebliche Praxis, Fallstudien, Arbeitszeit, Work-Life-Balance

Abstract

Mit unserem Beitrag stellen wir die Ergebnisse von Fallstudien zur Arbeitszeitpraxis und Formen der Arbeitszeitverkürzung in fünf österreichischen Unternehmen vor. Ausgewählt wurden Unternehmen in Branchen, die sich in Hinblick auf die Art der Tätigkeit, das Qualifikationsniveau der Beschäftigten und die geltenden kollektivvertraglichen Regelungen zur Arbeitszeitverkürzung möglichst unterscheiden.

Für die Untersuchung werden alle Regelungen und Praxen, die zu kürzerer Normalarbeitszeit führen können, als direkte Arbeitszeitverkürzung definiert, egal ob damit die wöchentliche oder die jährliche Arbeitszeit reduziert wird (z.B. in einer Betriebsvereinbarung vereinbarte zusätzliche freie Tage). Hinzu kommen Aspekte der indirekten Arbeitszeitverkürzung, dies sind Regelungen und Praktiken, die zu einer faktischen Verkürzung der tatsächlichen Arbeitszeit führen können, ohne das Arbeitsausmaß innerhalb eines Vollzeit-Arbeitsplatzes zu verändern (z.B. bessere Möglichkeiten, zusätzliche Arbeitsstunden in Form von Gleittagen als Freizeit zu konsumieren oder das Recht auf Sabbaticals). Die von uns gewählten Fallbeispiele machen die große Heterogenität der Arbeitszeitpraxis in den Unternehmen deutlich. Aus einer detaillierten Beschreibung der Formen von Arbeitszeitverkürzung, der Bedürfnisse und Wünsche der ArbeitnehmerInnen und der Perspektiven von Betriebsrat und Management werden fördernde und hemmende Faktoren für Arbeitszeitverkürzung synthetisiert. Förderlich für Arbeitszeitverkürzung ist vor allem der Wunsch von Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber zu gelten und die Motivation und Produktivität der Belegschaft hoch zu halten. Auf Ebene der Beschäftigten führt aber auch die Notwendigkeit, belastende Tätigkeiten auszugleichen, zu kürzeren Arbeitszeiten. Ein aktiver Betriebsrat hat hinsichtlich der Arbeitszeitgestaltung eine wichtige Schutzfunktion.

Hemmende Faktoren finden sich bei Geringqualifizierten mit niedrigen Stundenlöhnen, die kürzere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich vor existenzielle Probleme stellen würden. Auch eine hohe Fluktuation im Unternehmen, hoher Kostendruck und eine dünne Personaldecke wirken ebenso wie eine wenig flexible Arbeitsorganisation hemmend für kürzere Arbeitszeiten.

 

Autor/innen-Biografien

Franz Astleithner, Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt

Mag. Franz Astleithner, Bakk. studierte Soziologie und Volkswirtschaft an der Universität Wien. bis 2021 bei FORBA. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Arbeitsmärkte und industrielle Beziehungen.

Bettina Stadler, Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt

Mag.a Dr.in Bettina Stadler studierte Soziologie, Politikwissenschaft und Gender Studies an der Universität Wien und an der Goethe Universität Frankfurt Sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei FORBA, und beschäftigt sie unter anderem mit Themen Arbeitszeit, Mitbestimmung und Gender.

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Veröffentlicht

05.02.2022

Zitationsvorschlag

Astleithner, F. und Stadler, B. (2022) „Arbeitszeitverkürzung in Betrieben - Modelle und Praxis: Betriebe als Treiber kürzerer Arbeitszeiten?“, Wirtschaft und Gesellschaft. Wien, Österreich, 47(4), S. 469–510. Verfügbar unter: https://journals.akwien.at/wug/article/view/79 (Zugegriffen: 27 Mai 2022).

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