Abstract
Gut ein Jahrhundert lang herrschte zwischen den Vertretern der Grenznutzentheorie, an der österreichische Ökonomen wesentlich beteiligt waren, und marxistischen Positionen auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften ein erbitterter Streit, der für beide Seiten von Nachteil war. Heute sollte es möglich sein, die unterschiedlichen Positionen in konstruktiver Form miteinander zu verbinden, und Vorzüge und Schwächen sine ira et studio aufzuweisen. In der Tradition von Eduard März, der heuer 100 Jahre alt geworden wäre, befasst sich die vorliegende Arbeit kritisch, aber konstruktiv mit den Grundlagen der Arbeitswertlehre, wie sie von Marx vertreten wurde, und stellt sie in den Kontext der von Wassily Leontief entwickelten Input-Output-Analyse. Insbesondere wird die Stellung von Diensten im Rahmen der Werttheorie anhand einer Leontief-Ökonomie untersucht, aber auch neue Arten von Waren, wie sie in der sich herausbildenden Informationsgesellschaft entstehen. Das Transformationsproblem, das in der Vergangenheit zu Auseinandersetzungen und Polemiken geführt hat, wird im Rahmen einer allgemeineren Theorie auf einen Sonderfall von zwei Preissystemen in einer Leontief-Ökonomie zurückgeführt. Schließlich werden wichtige Kenngrößen der Marx‘schen Theorie auf Grund von Daten der österreichischen Input-Output-Tafel 2003 bestimmt, die zeigen, dass die Arbeitswerttheorie durchaus empirischen Tests standhält.

